22. März 2007...12:55

Publish or Perish

Zu den Kommentaren

Wie überprüft man wissenschaftliche Qualität? Das ist natürlich eine schwierige Frage. So manches Bewerbungskommittee versucht sie zu lösen oder vielmehr zu umgehen, indem es Qualität auf Quantität reduziert: je mehr einer publiziert hat, desto besser ist er. Ganz einfach.
So wird bereits bei Bewerbungen um ein (deutsches) Promotionsstipendium eine Publikationsliste erbeten — “ggf. auf gesondertem Blatt”. Nur: wann und womit soll der Bewerber, der ja auch noch schnell studiert haben soll, seine Publikationsliste gefüllt haben? Muss jede kleine Entdeckung einer Hauptseminararbeit im 8. Semester in die Fachwelt hinausposaunt werden? Sollte die Zeit, in der man studieren und etwas lernen könnte, mit dem hektischen Bemühen um das Unterbringen eines Artikels in einer Fachzeitschrift verbracht werden, also mit Kontaktieren, Redigieren usw. — alles im Eiltempo, damit es noch rechtzeitig vor der Promotionsbewerbung erscheint?
Wenn die Länge der Publikationsliste zum Maß aller Dinge wird, dann publiziert jeder alles, und zwar so schnell wie nur möglich. Zumindest solange er sich noch um etwas zu bewerben hat; und das hat an der deutschen Universität jeder, der noch keinen Lehrstuhl ergattert hat. Zur Qualität wissenschaftlicher Veröffentlichungen im Allgemeinen trägt das nicht bei.
Wer sich auf ein englisches Promotionsstipendium bewirbt, wird im Übrigen nicht nach Publikationslisten gefragt. Und mein (englischer) Doktorvater reagierte auf meine Nachfrage zu dem Thema nur mit der leicht irritierten Frage: Warum um alles in der Welt sollte man in diesem Stadium schon was veröffentlicht haben? Seine erste Veröffentlichung war übrigens erst nach Abschluss seiner Promotion. Er hat heute einen der renommiertesten Lehrstühle an der Universität Oxford inne.

1 Kommentar


Eine Antwort schreiben